RATTEN

Ratten zähmen und Freundschaft schließen

Spartanische Käfigeinrichtung
Signalisieren und Ankündigen

Fingerlecker oder lecker Finger?

Von Stinkesocken und Fußbeißern


Spartanische Käfigeinrichtung
Wenn ihr eure ersten (evtl. noch jungen) Ratten anschafft, dann muss der Käfig bereits eingerichtet sein, bevor die Ratten einziehen; aber sehr spartanisch eingerichtet: eine Nippeltränke, ein Häuschen, ein Futternapf, ein kleiner Notizblockkasten, ein Plastikkäfigrohr und evtl. eine Holzhöhle. Lasst die Ratten die ersten 1-2 Tage in Ruhe, damit sie sich an die neue Umgebung gewöhnen können. Der Käfig sollte auf einem erhöhten Platz gestellt werden. Ihr müsst euch vorstellen, wenn der Käfig auf dem Boden steht und dann so ein Riese von Mensch kommt und sich nach unten zu den winzig kleinen Ratzen beugt, wie beängstigend das für die Babys sein muss. Sie halten den Menschen natürlich für einen Fressfeind und verkriechen sich in ihrem Loch. Daher den Käfig etwas höher stellen. In meiner Dachwohnung, die nur schräge Wände hat, geht das schlecht, deshalb bewege ich mich, bei Neuzugang, leise auf allen Vieren zum Käfig. Es gibt aber auch Ratten, die von Anfang an so zutraulich sind, wie es z.B. bei meiner Yuki und meiner Zuma war, dass sie so rotzfrech und abenteuerlustig sind und alles gleich erkunden wollen.

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Signalisieren: Hier kommt dein Frauchen oder Herrchen

Wichtig ist, dass man den Ratzen signalisiert: "Achtung, hier komme ich! Bitte nicht erschrecken!" Also ruhig sprechen und sich langsam auf den Käfig bewegen. Die erste Zeit bin ich nur vor dem Käfig gesessen und habe mit den Ratten gesprochen, damit sie sich an meine Stimme und Geruch gewöhnen. Ratten können logischer Weise nicht verstehen, was man mit ihnen spricht. Man kann z.B. genauso gut seine Vokabeln vorm Käfig lernen oder laut aus einem Buch vorlesen.

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Lecker Finger oder Fingerlecker?
Ab und zu kommt dann mal ein Ratz raus und beschnuppert das komische Ding durch die Gitterstäbe vorm Käfig. Man kann dann mal vorsichtig die Hand an den Käfig halten und sie schnuppern lassen. Nicht den Finger durch die Stäbe stecken, denn das kann blutig enden. Beim Napffüllen ist es am besten, wenn man sich vorher mit einem Schnalzen, Schmatzen oder so ankündigt. Wenn dann vielleicht eine Ratte kommt, eine Faust machen und auf ruhig dem Käfigboden liegen lassen. Nicht vergessen, den Daumen einzupacken! Herausragende Finger werden gerne von den neugierigen Tierchen angeknabbert! Sie werden versuchen, in die Hand zu beißen, dabei ist es eher ein Knabbern und Testen, weil sie wissen wollen, was das ist. Babyratten wissen jedoch noch nicht, wie stark sie zubeißen können. Sie lernen das beim Spielen. Wird z.B. eine Ratte von der anderen zu stark gebissen, dann quiekt das Opfer und der Übeltäter lässt sofort locker. So ähnlich sollten wir das auch handhaben, wenn die Ratte vielleicht anfangs zu doll zwickt. Einfach kurz "nein" oder "au" rufen, die Ratte wird sofort lockerlassen. Natürlich kann es passieren, dass Ratten auch den Menschen in die Finger beißen. In diesem Fall: die Hand ruhig halten und nicht ruckartig wegziehen! Man kann die Ratte dabei verletzten! So ein fürchterlicher Schmerz ist das auch wieder nicht (selbst wenn es ganz schön bluten kann) und es ist noch keiner daran gestorben (zumindest nicht, dass ich wüsste). Die Ratte wird schon wieder locker lassen und flüchtet dann in ihr Nest.
Wichtig ist also: sich ankündigen, vor allem wenn man in den Käfig greifen muss oder das Wasser wechselt, mit ruhiger Stimme sprechen, Leckerlis verteilen (nicht durch die Gitterstäbe), Faust machen und ruhig in den Käfig halten, nicht überreagieren, wenn Ratten zwicken und viel Zeit aufbringen. Irgendwann kommen die Ratten, neugierig wie sie sind, von alleine und krabbeln auf den Handrücken, dann kann man ganz vorsichtig versuchen, sie zu streicheln. Den Vorgang immer öfter wiederholen. Irgendwann klettern die Ratzen dann auf den Arm usw. Auslauf haben junge Ratten zunächst nur auf mir selbst und meinem (unbenutztem) Bett bekommen oder in einem abgesperrten Bereich. Wenn die Ratten etwas zutraulicher geworden sind, kann es sein, dass sie prüfen, ob die Finger vom Frauchen/Herrchen etwas zum Essen sind. Sie will dabei niemanden verletzten oder bösartig zubeißen, sie knabbert nur, also nicht erschrecken, wenn man plötzlich Zähnchen am Finger spürt. Lasst sie gewähren, und wenn es dann doch etwas zu arg wird, dann den Finger vorsichtig wegtun und „Aua“ sagen, damit die Ratte erkennt: "Ach, das war zu viel". Das nächste Mal wird die Ratte schon viel vorsichtiger sein. Manche werden am Anfang richtige „Fingerlecker“. Das macht Spaß, die Hand von Frauchen abzuschlecken, am besten jeden einzelnen Finger, die schmecken ja so schön salzig. Den meisten Erfolg mit den Babys habe ich zur später Stunde, wenn sie besonders aktiv sind. Denn dann sind sie so voller Energie und Unternehmungslust, dass es sie nicht lange in ihrem Versteck hält und sie die Angst vor dem großen Monster überwinden.

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Stinkesocken und Fußbeißer
Manche sagen, dass es sinnvoll ist, eine lang getragene Stinkesocke in den Käfig zu legen, damit sich die Ratten an den Geruch des Frauchens/Herrchens gewöhnen können (man kann auch ein altes T-Shirt o.Ä. nehmen). Das Ergebnis war, dass mir die Ratten jedes Mal in die Füße oder in den Pulli bissen, weil sie diese wohl für ihr Spielzeug hielten. Ihr werdet aber schnell merken, dass einige Ratten, das In-die-Füße-zwicken einfach nicht bleiben lassen. Jede Ratte, die ich bisher hatte, hat mir in die Füße gebissen. Nach ein paar Wochen haben sie dann aber gemerkt, dass Füße eher gefährlich sind. Mehr über das Fußbeißen könnt ihr unter Verhalten nachlesen. Ich halte eigentlich wenig davon getragene Kleidung in den Käfig zu legen. Für die Ratten ist es nur ein fremder, störender Geruch, der nicht zu ihnen gehört. Die Verbindung mit dem Menschen fehlt. Außerdem riecht die Kleidung oft nach Parfüm, Waschmittel, Duschgel oder sonstigem, es sind also viele Gerüche vorhanden, die den eigentlichen Menschengeruch überdecken. Und da die Ratten fremden Geruch in ihrem Käfig als eher störend empfinden, werden sie ihn mit ihrem eigenen (Urin)Geruch bedecken.


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Auslauf
Auslauf in der Wohnung sollte man den Ratten erst gewähren, wenn man sich sicher sein kann, dass sie wieder zum Besitzer zurückkommen, wenn man sie herlockt oder ruft. Und natürlich auch, wenn alle Gefahrenquellen aus der Wohnung entfernt wurden. Ein Trick der immer funktioniert, wenn die Ratten ausgebüchst sind und man sie nicht mehr findet, aber in den Käfig sperren will: in die Mitte des Zimmers stellen, die Rattennamen rufen und dabei mit einer Tüte rascheln oder mit der Leckerlischachtel klappern. Die meisten Ratten werden sehr schnell auf diese Geräusche konditioniert. Sie wissen, dass es Leckerlis gibt, wenn die Tüte raschelt. Dann muss man aber jedes Mal so fair sein und die Ratte für ihr Kommen belohnen, sonst reagiert sie irgendwann nicht mehr auf die Geräusche. Dieses Konditionieren sollte am besten von Anfang an geübt werden. Beim Auslauf sollten alle kleinen Ritze zugestellt oder verstopft werden, weil eine kleine, in Panik geratene Ratte sich so schnell nicht mehr einfangen lässt. Ich habe schon Stunden gebraucht, um kleine Ratten einzufangen. Manchmal macht einen das wahnsinnig und man hat dann eine Stinkewut, aber trotzdem sollte man das Tier dann nicht am Schwanz packen! Lieber man schmeißt ein altes Handtuch auf das Tier und fängt es damit ein (was sehr traumatisch für die Ratte sein kann, also sollte das die absolute Ausnahme sein.) Lieber sollte man versuchen, den richtigen Zeitpunkt für den Auslauf zu erkennen. Wenn die Ratten zutraulich sind und sich problemlos hochheben lassen, erst dann sind sie reif für den Auslauf.

 

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"Zwangszähmung"

Ein Hinweis vorab! Bevor man mit "sanfter Brutalität" vorgeht, sollte man Folgendes beachten:

  • Neue Ratten brauchen erst Zeit, sich an die neue Umgebung und ihr neues Zuhause zu gewöhnen!
  • Bitte habt anfangs Geduld! Wirklich - die meisten Ratten sind so neugierig und freundlich, dass sie meist schon am ersten Tag zutraulich sind oder zumindest nach einer kurzen Eingewöhnungszeit von wenigen Tagen ihre scheu verlieren. Meist ergibt sich das Zähmen wirklich von alleine, denn Ratten sind so freundlich, dass sie die Nähe zum Dropsgeber suchen. Daher sollte man wirklich erst ein paar Tage warten und die Tiere gut beobachten.
  • Ihr müsst eure Ratte wie gesagt gut beobachten, bevor ihr sie wie folgend beschrieben "zwangszähmt".
  • Ist die Ratte nur schüchtern? Steht sie extrem unter Stress? Ist sie vielleicht krank und verzieht sich deshalb? Ist sie ein Beißer? Ist sie neugierig, so dass man mit ihr arbeiten kann (so wie z.B. Skippy in dem Video unten)

"Zwang", das ist ein böses Wort, "denn Tierfreunde zwingen ihre Tiere niemals etwas gegen ihren Willen zu tun"!
Doch ist das Wort "Zähmung" eigentlich nicht genau das gleiche Wort?

Aus Wikipedia: "Als Zähmung wird die weitgehende Anpassung des Verhaltens von Wildtieren an die Bedürfnisse des Menschen bezeichnet, so dass die gezähmten Tiere ohne Gefahr für den Halter in dessen Obhut verbleiben können."  Ich zwinge meine Tiere sich so zu verhalten, dass es mir gefällt.

Manche schreien bei dem Wort "Zwangszähmung" laut auf, denn für sie bedeutet es, den Willen der Ratte zu brechen! Aber man darf das Wort Zwangszähmung nicht mit "Gewalt" in einen Zusammenhang bringen! Ich bin deshalb schon als "asoziale Tierquälerin" beschimpft worden, die schlimmer ist als Hundehalter, die ihren Hunden Stachelhalsbänder anlegen! Warum? Weil ich scheue Ratten dazu zwinge, mal ein paar Sekunden in meinen Händen zu verweilen, damit sie kapieren, dass ich ihnen nichts tue? Man hat mir unterstellt, ich wäre ungeduldig und würde von allen meinen Ratten erwarten, ein Kuscheltier zu sein und würde sie "brutal in Pullover stopfen", weil das nämlich jeder Rattenhalter tut. Klar!? Bin ich 11 oder was? Ich glaube, dass ich über das Puppenspielalter weit hinaus bin und dank meiner Allergie habe ich ohnehin nicht das Bedrüfnis ständig mit Ratten kuscheln zu müssen. Ich kann es nicht mal leiden, wenn Ratten von sich aus in meine Klamotten krabbeln, weil es mich am ganzen Körper juckt und ich Stunden lang Quaddeln habe. Also wenn eine Ratte in meinem Pulli landet, dann nur, weil ich nicht schnell genug reagiert habe, um das zu verhindern.

Ich vergleiche es mal so: Es ist wie mit einem Nichtschwimmer, der sich einredet, dass er nicht schwimmen kann (obwohl er es mittlerweile kann) und man ihn in flaches Gewässer schubst, um es ihn zu beweisen.
Oder wie bei einem Kind, das meint, nicht ohne die Hand des Vaters am Sattel Fahrrad fahren zu können. Irgendwann ist der Vater ganz "brutal" zu seinem Kind und lässt den Sattel los, auch wenn sein Kind kreischt und nach ihm ruft. Irgendwann muss der Vater ja so "brutal" sein, er kann ja nicht sein Leben lang neben seinem Kind herlaufen, wenn es Fahrrad fahren will.

Manchmal muss man Leute und Haustiere zu ihrem Glück zwingen.

Ich hatte zwei sehr scheue und schüchterne Ratten, nämlich Blacky und Geddy Lee. Es war schwer mit ihnen. Sie waren immer lieb, bissen nie, aber sobald ich das Zimmer war, standen die beide Todesängste durch. Oft saßen sie zitternd in der Ecke und kamen nicht mal aus dem Käfig. Das ging Wochen, wenn nicht sogar Monate lang so. Sie nahmen völlig verängstigt und zaghaft ein Leckerli von mir, wenn es ihnen genau vors Mäulchen hielt.

Ich redete mir ein "die sind halt so", "die sind halt schüchterner als die anderen". Aber irgendwann ging mir das auf den Keks. Jedes Mal hatte ich ein fürchterlich schlechtes Gewissen, dass ich meinen lieben Ratten solche Angst mache, dass sie in den Ecken saßen und vor Angst oft gekötelt haben. Als ich nämlich zum Tierarzt musste, ließen sich meine zwei Jungs nie einfangen und wenn ich sie dann hatte, dachte ich, dass sie einen Herzinfarkt bekommen. Sie MUSSTEN sich jetzt also endlich an meine Anwesenheit und meine Berührungen gewöhnen! Ob sie wollten oder nicht. Sie mussten nicht zu Kuscheltieren werden, diese Freiheit habe ich ihnen auch immer gegönnt! Und sie blieben bis zum Schluss so.

Zutrauliche Ratten werden meist mit wenig Zutun des Menschen zutraulich. Andere eben nicht.

Das Zwangszähmen sieht bei mir folgendermaßen aus:

  • Ich baue einen kleinen Auslauf, so dass die Ratte nicht mehr in ihre gewohnte Umgebung flüchten kann.
  • Dann setze ich mich Minuten lang bewegungslos in den Auslauf, lese etwas dabei oder so.
  • Um mich herum verteile ich Leckerlis, lege auch welche auf mich drauf (wenn ich im Schneidersitz sitze, dann auf die Beine).
  • Wenn die Ratte dann bei mir ist streichle ich sie vorsichtig und lasse sie mehrmals an meiner Hand riechen.
  • Irgendwann schnappe ich sie mir, halte sie ein paar Sekunden lang fest, steichel sie kurz, gebe ihr das Leckerli (wenn sie es annimmt) und setze sie sofort wieder auf den Boden.
  • Das mache ich ein paar Mal: schnappen, kurz (!) festhalten, loslassen, .... schnappen kurz festhalten, loslassen... Das Festhalten dauert vielleicht 3 Sekunden! (Wenn mich das zu einem asozialen Tierquäler macht, dann habt ihr im Impressum meine Adresse, könnt gerne das Vetamt auf mich hetzen!)
  • Das wiederhole ich ein paar Tage. Ich hole die Ratte auch mal aus dem Käfig raus, streichel sie und setze sie wieder zurück.
  • Immer muss die Ratte mit einem kleinen Leckerli verwöhnt werden (Ich mache das immer mit einem Klecks Nagermalt oder den kleinen Happy Drops)
  • In der Regel hat die Ratte nach 1-2 Tagen kapiert, dass sie vor mir keine Angst haben muss, mögen muss sie mich deshalb trotzdem nicht, aber sie soll keine panische Angst mehr vor mir haben.
  • Es gibt zwei Fluchtwege, die eine Ratte nimmt, wenn sie panische Angst vor mir hat und lieber weg will. Der eine Fluchtweg ist ab in den Käfig! Wenn ich ihr das aber nicht erlaube, weil ich sie sonst wieder im Käfig "jagen" und einfangen muss (das sollte man natürlich nicht ständig tun), dann wählt sie automatisch meinen Pulli. Dort ist es warm und dunkel und sie fühlt sich nicht beobachtet.

Aber ist das nicht gemein? Wenn die Ratte nicht will, dann will sie halt nicht?

Doch, das ist ja das Lustige. Die Ratte will ja, aber sie traut sich ja nicht. Sie hat ständig Angst und Angst führt zu Herzrasen und Stress, das heißt, dass dieser Dauerstress letztendlich auch gesundheitliche Folgen haben kann und das Leben verkürzen können.

Natürlich waren sowohl Geddy Lee als auch Blacky niemals die Schmuseratten, aber sie haben auch nicht mehr panisch die Flucht ergriffen, wenn ich der Nähe war. Und zum Schmusen hatte ich ja noch andere Ratten. Ich habe ihnen mit meiner "schrecklich brutalen" Zwangskuschelmethode die Angst vor mir genommen und ihnen somit ein Stück Lebensqualität gegeben, denn sie müssen ja bei mir leben, ob sie wollen oder nicht. Und wie schlimm wäre es, wenn sie täglich ständig Angst vor mir haben müssten?

Eine Ratte, die ständig panische Angst hat:

  • kann man nicht in den Auslauf lassen
  • kann man nicht ohne weiteres auf Gesundheit untersuchen
  • kann sich oft bei Artgenossen nicht richtig zur Wehr setzen
  • steht unter Dauerstress was negative gesundheitliche Auswirkungen hat
  • ist unglücklich, denn während andere Ratten ausgelassen im Auslauf toben, hockt die verängstigte Ratte zusammengekauert in der Ecke und wartet, bis das große Monster mit der komischen Stimme wieder weg ist.
  • Springt vor lauter Panik oft irgendwo hin, wo sie sich verfängt oder nicht mehr rauskommt

Zum Thema "den Willen des Haustieres brechen": Wenn man ein Lebewesen zu etwas erzieht, dann bricht man IMMER seinen Willen, das gehört zwangsläufig zusammen. Sonst wäre es keine Erziehung sondern laissez-faire. In solch einem Fall hätte man sich vielleicht lieber Beobachtungstiere anschaffen sollen. Aber Ratten sind keine reinen Beobachtungstiere. Erziehung passiert täglich und überall: zu Hause, beim Ehepartner, in der Schule, im Kindergarten, im Tierheim, beim Einkaufen ... überall.

Wenn man das auf die Waagschale legt, breche ich den Willen meiner Haustiere ständig, ich müsste der gemeinste und schlechteste Mensch auf der Welt sein!
Ich stecke meine Ratten in Käfige, obwohl sie gerne lieber noch 15 Minuten draußen geblieben wären, ich bringe sie zum Tierarzt, obwohl sie dort eine unerwünschte Spritze bekommen werden, ich untersuche meine Ratten nach Krankheitssymptomen, obwohl sie gerade lieber im Auslauf spielen würden, ich integriere neue Ratten, obwohl sie gerade auch zu viert glücklich und harmonisch sind, ich gebe ihnen gesundes Obst und Gemüse, obwohl sie jetzt vielleicht lieber Joghurtdrops fressen würden, ich hebe sie hoch, weil ich sie knuddeln und wutzeln will, ich putze ihren Käfig, obwohl die Ratten gerade so ein schönes vollgepinkeltes Nest gebaut haben uvm. Also wann breche ich nicht den Willen meines Haustieres? Und ich zwinge eine schüchterne Ratte, mit Leckerlis sanft dazu, keine Angst mehr vor mir zu haben indem ich sie hin und wieder für wenige Sekunden mit den Händen umschließe.

Dennoch sollte man sein Tier gut beoachten und nicht Wochen lang damit "quälen". Manche Tiere werden eben nicht zahm in dem Sinn, sie werden keine Kuscheltiere. Niemals sollte man Strafe als Mittel benutzen, das ist klar.

Als ich im Oktober 2011 umgezogen bin und meine Ratten ein eigenes Zimmer bekommen haben, holte ich mir noch zwei junge Rattendamen dazu. Die Integration war ein Traum! Meine drei alten Dexter, Ocar und Dotty hatten schon mehrere Integrationen hinter sich und waren wie erwartet wieder super friedlich und brav. Solch harmonische Integrationen wie mit denen dreien habe ich zuvor in fast 10 Jahren Rattenhaltung wirklich noch nie erlebt. Meine jungen Damen wurden sofort herzlich aufgenommen. Das war echt toll. Zwei Wochen lang konnte ich mich aber nicht intensiv um die Ratten kümmern, weil ich noch extrem im Umbau- und Umzugsstress befand. Jeden Tag hatte ich vielleicht 15 Minuten Zeit für die Ratten (Auslauf hatten die ständig). Aber sobald ich das Zimmer betrat, waren die zwei Damen verschwunden. Panisch haben sie sich hinter dem Spalt zwischen Unidom und Wand versteckt oder verkrochen sich in das unterste und versteckteste Loch in der Voliere.
Leckerlis und Nagermalt, gutes Zureden.... nichts hat was gebracht. Erst als ich mir die beiden wirklich mal schnappte und mit Dotty zusammen festgehaltenhabe hat es dann auch mit ihnen funktioniert. Heute sind sie immer noch schüchtern und vorsichtig, aber sie rennen nicht mehr panisch vor mir davon.

Meine Sasette ging mir 2 Monate lang aus dem Weg. Als ich den Käfig mal putzte, muss ich sie fürchterlich mit etwas erschreckt haben. Obwohl Sasette anfangs recht zutraulich und neugierig war, rannte sie plötzlich bei meiner Anwesenheit wie von der Tarantel gestochen hinter den Unidom, quetschte sich dort zwischen Unidom Rückwand und der Hauswand fest und verharrte dort zitternd und kötelnd, bis ich endlich das Zimmer verlassen hatte. Sie hatte fürchterliche Angst vor mir, sie war völlig panisch, sobald ich das Zimmer betrat. Es war schrecklich: Alle Versuche sie zu locken und/oder zu beruhigen waren vergebens. Keine Joghurtdrops, kein Nagermalt half. Oft habe ich auch nichts unternommen, weil ich warten wollte, bis sie von alleine einfach mal raus kommt. Aber so haben wir uns immer weiter entfremdet. Ich fühlte mich so mies, denn irgendetwas muss ich getan haben, das meiner süßen Maus fürchterliche Angst gemacht hat. Ich weiß zwar nicht was, denn ich hab nichts davon gemerkt! Bin ich aus Versehen auf sie getreten? Habe ich zu viel Lärm beim Putzen gemacht? Was war denn nur los?

Irgendwann kam der Tag, dass ich mal das Zimmer wieder richtig putzen musste. Und das gleiche Spiel. Sasette sprang vor Angst los, als sie mich sah und versteckte sich hinter der Heizung! Dort verharrte sie. Auch wenn ich eine Stunde lang im Zimmer blieb, dann kam sie eine Stunde lang nicht mehr hervor. Da ich aber Staubsaugen wollte, dachte ich "So jetzt reicht's! Du musst wieder in den Käfig! Du kannst nicht draußen bleiben, während ich sauge!" Also schnappte ich mir Sasette, ich hielt sie ca. 5-10 Sekunden lang fest und ließ sie dann in den Unidom. Plöztlich drehte sie sich um und schnüffelte freiwillig nochmal an meiner Hand. Ich gab ihr ein Leckerli. Und Holla?! Sie nahm es an!! Ich dachte noch, naja, alles vergebens, wenn ich jetzt sauge, kriegt sie wieder Panik, also ließ ich es bleiben.
Stunden später, bevor ich ins Bett ging, setzte ich mich auf den Boden. Und wer kam plötzlich zögernd immer näher, verschwand wieder, tauchte wieder auf? Ein ganz seltener Gast - Sasette! Es hat gut 20 Minuten gebraucht, bis Sasette irgendwann kurz auf meinem Schoß saß! Ich streichelte sie sanft und zwischendurch hob ich sie auch mal 3-5 Sekunden lang gegen ihren Willen fest, ließ aber immer wieder los, so dass sie kapierte: "Die olle Tante ist zwar nervig, aber die tut mir ja gar nichts!" Am nächten Tag war Sasette wie ausgetauscht. Wie selbstverständlich missbrauchte sie mich als Kletterbaum, biss mir Löcher in die Klamotten, zupfte an meinen Ohren, biss mir in den großen Zeh, steckte mir ihren Schnuffel ins Ohr (natürlich so tief wie möglich), riss mir die Unterlippe runter, kroch in meine Ärmel und Hosenbeine, verpasste mir eine neue Frisur, nahm Leckerlis von mir entgegen und schleckte Nagermalt direkt von meinem Finger ab.
Ich nahm eine Hand voll Rattima und befüllte meine Jackentasche. Sasette fand dies und stopfte sich das Mäulchen voll und brachte es, wie es sich gehört, in den Käfig, in den Napf!! Also ich habe schon viel in all den Jahren Rattenhaltung gesehen, aber noch nie, dass eine Ratte ihr Futter IN den Napf getragen hat. War witzig. Normalerweise verteilen sie ja das Futter in alle Winde und bedecken den Napf mit Zeitungspapier lol

Wenn mich auch das zu einem asozialen Tierquäler macht... ihr wisst ja bescheid! ;)

Bei bissigen Ratten sollte man nicht wie oben beschrieben vorgehen! Das könnte sonst blutig enden. Schaut euch die folgenden Videos an, da seht ihr, wie ich meine bissige Skippy zu einer feinen Maus gemacht habe.

 

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Videoclips über Skippys Zähmung - Bissige Ratte
In diesen Filmen zeige ich euch, wie ich meine bissigen Rattendame Skippy gezähmt habe. Skippy wurde in einem Schuhkarton von irgendeiner hirnlosen Amöbe auf dem Parkplatz eines Tierheimes ausgesetzt, hatte aber Glück im Unglück als sie zu mir kam, denn sie war noch sehr jung max. 2 Monate alt. Aber da ich ihre Vorgeschichte nicht kenne, kann ich nicht sagen, was Skippy bereits in ihren ersten Lebenswochen erleben musste. Skippy war ein hartes Stück Arbeit! Ich war fest davon überzeugt: diese Ratte bekomme ich nicht mehr zahm! Aber mit viel Geduld habe ich es dennoch geschafft! Skippy hat Vertrauen zu mir! Skippy blieb aber immer etwas schreckhafter und

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zurückhaltender. Und obwohl ich ständig Angst hatte, von ihr gebissen zu werden, tat sie es nie wieder.


Farbratten zähmen - Freundschaft schließen - MyVideo (Classic) 

Beschreibung:

Stufe 1: Vertrauen gewinnen mit Geduld, Ruhe und gutem Zureden

0:00

Skippy durfte von Anfang an in einer abgesperrten Zone Auslauf haben, auch ohne mich. Ich habe den Käfig immer dann erst wieder geschlossen, wenn Skippy freiwillig in den Käfig zurück ging. So konnte sie die Voli und einen kleinen Auslaufbereich in aller Ruhe erkunden. Ich habe sie dabei nicht gestört.

0:12

Skippy wurde es auf Dauer zu langweilig im Käfig und wollte wieder raus. Problem: ein Mensch sitzt vorm Käfig und versperrt den Ausgang in die schöne und verspielte Auslaufzone, wo es tolle interessante Dinge hat und auch mal ein Leckerli versteck ist! Die Abenteuer- und Unternehmungslust, die Neugier sind aber einfach zu groß! Skippy zögert, ist verwirrt, will raus, hat aber Angst und macht kehrt!

0:23

Sie wird neugierig und testet die Gefahr, sie wagt es vorsichtig und klettert mit den Vorderpfoten auf das Bein. Hui, sehr mutig, aber schnell wieder zurück!! War doch garnicht so schlimm! Also nochmal!!

0:33

Sie zupft an meiner Hose! Immer bereit zum Rückzug! Skippy erkennt, dass das große Monster vorm Käfig nicht böse reagiert.

0:39

Das klappt doch prima! Skippy ist jetzt richtig mutig, hüpft komplett aufs Bein und wieder zurück. Das macht Spaß! Man muss sich nur trauen! Aufs Bein und zurück!

1:04

Jetzt kommt die Hand ins Spiel! Vorsichtig mit der Hand nähern, aber nicht nach der Ratte greifen! Flüchtig berühren und auch mal schnuppern lassen! Die Ratte erkennt, dass die Hand keine Bedrohung zu sein scheint! Aber Skippy traut dem Frieden noch nicht so!

1:33

Skippy muss herausfinden, was diese Hand will! Sie knabbert die Finger an! Das zwickt etwas, aber tut nicht weh. Sie will nicht beißen, sie will nur herausfinden und testen, was man mit dieser Hand los ist! Als Skippy mich anknabbert signalisiere ich ihr mit einem "Aua", dass ich das nicht mag. Sie kapiert das recht schnell. Der Daumen wird immer schon eingepackt, denn der wird gerne mal getackert ;-) Auf keinen Fall darf man die Hand ruckartig zurückziehen, denn dabei würde man die Ratte nur erschrecken oder sogar verletzen! Und dann würde ich ihr definitiv einen Grund geben, mich richtig zu tackern!

2:13

Schließlich ist die Abenteuerlust einfach zu groß. Skippy schleicht sich an meiner Hand vorbei und klettert außen an der Voli hoch. Sie merkt, dass das keine gute Idee war und geht freiwillig zurück in den Käfig.


Ratte zähmen / Freudschaft schließen Teil 2 - MyVideo (Classic)

Beschreibung:

Stufe 2 : Liebe geht durch den Magen! Hände, die einen füttern beißt man nicht!

0:00

In diesem Clip seht ihr, wie ich Skippy mit Nagermalt bestochen habe! Bitte aufpassen mit dem Zeug, das macht unheimlich fett und ist verdauungsfördernd. Aber Ratten lieben das Zeug (obwohl es nach Käsefüßen stinkt *würg*) Ich quetsche immer einen kleinen Kleks aus der Tube, der sich wieder einzieht, wenn ich die Tube loslasse. So bekommt die Ratte nicht wirklich viel Nagermalt ab.

0:50

Hier seht ihr, wie ich mutig wurde und mir etwas Nagermalt auf den Finger geschmiert habe. Skippy ist zu diesem Zeitpunkt alles andere als zahm und noch ein Angstbeißer, der mich schon einige Male getackert hat. Skippy schleckt ganz vorsichtig die Paste von meinem Finger! Sie verbindet nun den Geruch des Nagermalts mit meinem Körpergeruch.

1:28

Skippy muss erst noch lernen, dass sie mir nicht in den Finger beißen darf! Sie muss erst verstehen, dass das Nagermalt jetzt nicht mehr aus der Tube kommt, sondern auf einem Finger ist. Sie kneift mich, aber tut nicht weh! Skippy will mich ja garnicht beißen, sie weiß aber auch nicht, wie weit sie gehen kann und testet eben etwas an! Ein "Au" bestätigt: "Liebe Skippy, das war zu viel! Schlecken erlaubt, aber Knabbern nicht!" Sie hat's noch nicht ganz kapiert!

1:38

Skippy untersucht nun alle Finger einzeln! Könnte ja noch etwas Leckeres dabei sein! Auch wenn Skippy mich anknabbert, ich ziehe meine Hand nicht zurück! Ich spreche ruhig mit ihr und schreie sie nicht an.

Hier der komplette Film mit Untertiteln