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Männlein oder Weiblein?

Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, ob ich lieber Böcke oder Weibchen bevorzuge. Beide haben so ihre guten Eigenarten. Doch eins haben beide Geschlechter gemeinsam: sie sind gleich charmant, liebevoll, freundlich, intelligent und lustig. Ratten, egal ob Männlein oder Weiblein, sind unglaublich flink, neugierig, lernfähig, gesellig und herrchenbezogen.


Rattendamen

Rattenweibchen sind agiler als Böcke, sie sind flink, unternehmungslustig, haben einen starken Nestbautrieb und sammeln gerne ihr Futter an den unmöglichsten Stellen an. Rättinen klettern ziemlich gut und können verdammt hoch springen (bis zu einem Meter!)! Leider ist ihr Nagetrieb sehr stark ausgeprägt, wie ihr bei den Nachteilen der Rattenhaltung verfolgen könnt. Die Biester zerlegen einfach absolut alles! Dadurch, dass Rattendamen einen ausgeprägteren Futtertrieb haben, sind sie m.E. etwas einfacher zu zähmen. Mit einem Leckerli in der Hand lässt sich fast jede Rattendame aus ihrem Versteck locken. Was nicht sofort gefressen wird, kann Rättin schließlich bunkern! Einige Mädels neigen oft mal zum Zicken, so wie meine Pebbles (r.i.p.). Im Rattenkäfig war sie ein richtiger Tyrann, aber zum Frauchen war sie soooo lieb. Sie wollte halt gerne der Boss sein.
Rein äußerlich sind Rattendamen eher klein und wiegen um die 300g. Ihr Fell ist geschmeidiger als das der Böcke. Im Alter werden auch Rattendamen etwas verschmuster. Sie sind übrigens alle paar Tage für mehrere Stunden empfängnisbereit, werden aber ab einem gewissen Alter unfruchtbar (ab wann, darüber streiten sich die Geister, also nicht darauf verlassen!). Ansonsten können Weibchen gut 15 Junge auf einem Schlag zur Welt bringen! Bereits ab der fünften Lebenswoche, sie sehen da selbst noch aus wie Babys, sind Rättinen empfängnisbereit, dh. dass sie ab der fünften Lebenswoche von ihren Brüdern getrennt werden müssen, damit sich kein ungewollter Nachwuchs (aus Inzucht wohl gemerkt) einstellt.



Die Herrschaften

Rattenböcke dagegen sind fauler und gemütlicher, daher können die sogar mal eine Minute still halten und einfach nur so auf der Schulter sitzend die Umgebung beschnuppern, aber auch das trifft nicht auf alle Böcke zu. Ihr Nagetrieb ist nicht so stark ausgeprägt wie bei den Damen (und das sei hier an dieser Stelle noch ein Mal deutlich erwähnt! Ein wichtiger Vorteil!). Solange sie aber jung sind klettern sie wie verrückt, wenn auch nicht so gut wie das andere Geschlecht. Rattenböcke haben m.E. unglaublich große Hoden, die so gar nicht im Verhältnis zu ihrer Körpergröße stehen. Aber hat man die Tiere erst lieb gewonnen, fallen einem die Riesenklöten gar nicht mehr so auf. Rattenböcke können richtige Brocken werden, denn im Durchschnitt können sie bis zu 600g auf die Waage bringen. Ihr Fell ist auch etwas länger, dichter und härter. Sie haben wie gesagt den Vorteil, dass sie nicht so einen stark ausgelegten Nagetrieb haben, dafür markieren sie ihr Revier umso mehr! Und das kann ich nur bestätigen! Wenn ich an meinen Mr. Miagi denke...! Ich habe oft schon mitbekommen, dass Rattenhalter dieses Markieren verharmlosen. Sie sagen, dass die Böcke kleine Tropfen Urin abgeben. Tatsächlich pissen sie alles voll- sei es beim Auslauf oder das Herrchen. Die Ratte markiert ihren „Besitz“ bzw. ihr Rudel ("Du gehörst zu mir"), also eigentlich sollte man sich als Halter geehrt fühlen, wenn man mal wieder vollgestrullert wurde ("Du gehörst auch zu mir"). Ich muss gestehen, dass ich auf diesen Liebesbeweis gerne verzichten würde. Eine Konsequenz dieser endlosen Liebe war, dass ich den Teppich im Rattenzimmer gegen einen Laminatboden austauschen musste. Da sich die Ratten ja auch gegenseitig „ihre Zuneigung zeigen“ finde ich, dass Böcke etwas mehr riechen als Rattendamen (Rättinen bepinkeln sich gegenseitig und alles andere auch, m.E. eben nur nicht so stark ausgeprägt wie bei Böcken).

Jordan scheint sich nicht ganz wohl dabei zu fühlen, dass wir ihm so auf die Juwelen starren, aber da muss er jetzt durch!

Grundsätzlich sollte man Rattenmänner nicht zu sehr mit Leckerlis verwöhnen, da sie aufgrund ihrer faulen und gemütlichen Art eher dazu neigen, ein paar „Pfund“ zu viel auf die Rippen zu bekommen. Ganz wichtig: Rattenböcke können ihr Leben lang Nachwuchs zeugen!
Und wenn man sicher gehen will, dass man sich kein trächtiges Tier anschafft, dann greift man wohl auch am besten auf Böcke zurück.
Danke an Anna für das Bild rechts, deutlich zu sehen sind die Riesenglocken, die vorhin erwähnt habe ;-)
Danke liebe Steffi für den Klötenalarm!


Die Kastraten
Und dann gibt es ja noch die Kastraten. Die sind unter den Böcken eh die Loser, die von den richtigen Männern immer eins auf die Glocke kriegen. Aber wenigstens markieren Kastraten nicht so sehr. Ich halte übrigens ein gemischtes Rudel: Rattendamen und Kastraten.

Wie viele Ratten sollen es sein?
Ratten sind Rudeltiere und sollten daher in Gruppen gehalten werden, mindestens zu zweit, idealerweise zu viert aufwärts bis ca. 12 (natürlich nur, wenn man artgerechte Käfige hat). Um ungewollten Nachwuchs und eine riesen Katastrophe zu verhindern, müssen gleichgeschlechtliche Gruppen gehalten werden, oder die Böcke müssen kastriert sein.


Die Entscheidung fällt euch immer noch so schwer?
Wenn ihr immer noch nicht wisst, ob ihr lieber ein Böckchen oder Weiberrudel halten wollt, dann lasst doch einfach mal euer Herz entscheiden! Nehmt die auf, die gerade in den Tierheimen oder Pflegestellen sitzen ;-)

Ansonsten macht es so wie ich. Wenn man einen Haufen Damen hält, muss man nicht auf männliche (kastrierte!) Gesellschaft verzichten. Entscheidet man sich aber von Anfang an ein Böckchenrudel zu halten, wird man zwangsläufig niemals zu einem Rattendamenhalter, weil Rattendamen nicht kastriert werden und folglich nicht in einem Männerrudel leben dürfen. Wenn einem die Damen doch zu wuselig sind, kann man später immer noch auf Herren umsteigen, aber umgekehrt eben nicht ;)


Pro Weibchen
Contra Weibchen

- unternehmungs- und abenteuerlustig
- agiler als Männchen
- gehen eher auf Spiele ein als Jungs
- haben oft lustige Flausen im Kopf
- verspielter
- Es ist möglich kastrierte Männchen zu integrieren

- stärkerer Nage- und Nestbautrieb
- dürfen nie mit unkastrierten Böcken gehalten werden dürfen.
- tumoranfälliger als Männchen.
- sehr gute Kletterer
Pro Männchen
Contra Männchen
- nicht so gute Kletterer
- gemütliche Art, können auch mal still sitzen
- können größer werden als Weibchen
- mögen oft ausgiebige Krauleinheiten
- bekommen nicht so oft Tumore wie Weibchen

- öfter mal aggressiv in der Pubertätsphase
- tragen heftigere Integrationskämpfe aus
- riechen etwas strenger
- markieren stärker
- neigen zu Übergewicht und deren Folgeerkrankungen
- man kann niemals Weibchen integrieren!

 

Wie kann ich bei jungen Ratten die Geschlechter auseinanderhalten?
Klickt auf folgenden Link, da wird das mit Bildern schön erklärt:
ratballs